Bros, die zusammen brunchen

Bereits seit einer Weile führen Kathi und ich eine Liste, die wir die „Bros, die zusammen…“-Liste nennen. Dabei handelt es sich um eine Aufzählung von Tätigkeiten, bei denen wir zwei oder mehr Männer gemeinsam in der Öffentlichkeit beobachten konnten (nein, nichts Unanständiges). Zu den Tätigkeiten, die wir bisher zusammentragen konnten, zählen unter anderem: Zusammen Tretboot fahren, in die Therme gehen, bei IKEA shoppen oder sich gegenseitig bei der Klamottenauswahl beraten. Und eben: brunchen gehen, so wie Marshall aus How I Met Your Mother in der Folge „Das ideale Paar“. Für diejenigen, die die Serie nicht kennen: In der Episode geht es darum, dass zwei Männer, beide frisch von ihren Freundinnen getrennt, zusammen brunchen gehen – und dafür komische Blicke, ja sogar Missbilligung von Fremden und Freunden halten. Durch eine Verkettung von Umständen gelangt Marshall zu der Überzeugung, dass sein Kumpel in ihn verliebt sein muss.

Der Running Gag, auf welchem der gesamte Plot der Folge basiert, ist: Der gemeinsame Brunch ist offenbar eine Freizeitaktivität, der entweder Frauen oder Paare nachgehen und welche Männern vorenthalten zu sein scheint. In dieselbe Kategorie fallen auch die oben genannten Beispiele. Dass es aber immer mehr Männer gibt, die auf die genderstereotype Vorstellung, es sei „unmännlich“, mit einem platonischen Kumpel vermeintlich feminine Dinge zu unternehmen, ist für uns Anlass zur Freude und zu unserer Liste.

Zwar sind Frauenfreundschaften natürlich super, jedoch keinesfalls zwingend inniger oder sonst irgendwie qualitativ „besser“ als Männerfreundschaften. Allerdings haben Frauen den Vorteil, ihre platonische Liebe füreinander völlig ungehemmt in der Öffentlichkeit zur Schau stellen zu können, ohne für lesbisch gehalten zu werden (was auch damit zusammenhängt, dass die Existenz homosexueller Frauen lange Zeit einfach geleugnet wurde). Männer hingegen tendierten sehr lange dazu, Zuneigungsbekundungen zu Freunden des gleichen Geschlechts übervorsichtig zu dosieren. Man erinnere sich, um eine weitere popkulturelle Referenz in diesem Artikel unterzubringen, an die ikonische Szene aus Grease – quasi eine filmische Versinnbildlichung von „no homo“.

Quelle: GIPHY

Die Angst davor, für unmännlich oder gar schwul – was gemäß traditioneller Rollenvorstellungen quasi auf das Gleiche rauskommt – gehalten zu werden und dadurch gesellschaftliche Repressalien zu erfahren, verhindert, dass Männer aus ihrer Genderrolle ausbrechen. Die Konsequenz dieses Phänomens, welches als „toxic masculinity“ beschrieben wird, sind zum Teil fatal: So lassen sich beispielsweise die wesentlich höheren Selbstmordraten von Männern auch damit erklären, dass das Reden über Emotionen nach wie vor häufig als „feminin“ und bei Männern höchstens nach mehreren hochprozentigen Getränken als sozial akzeptabel gewertet wird.

Dass sich das ändert, ist also nicht nur für queere, sondern für alle Männer eine durch und durch positive Entwicklung. Denn nicht nur Frauen leiden unter den starren Rollenbildern, in welche die patriarchal geprägte Gesellschaft sie zwingt. Der Sozialwissenschaftler Pierre Bourdieu schreibt: „Das männliche Privileg ist auch eine Falle“ und argumentiert, dass die soziale Pflicht, die eigene Männlichkeit permanent unter Beweis stellen zu müssen, vor allem eines ist: eine Bürde.

Somit steht der Brunch nicht bloß für Pancakes, Lachs und Sekt bereits am Vormittag. Er steht auch dafür, dass immer mehr Menschen sich von der Vorstellung lösen, dass Männer schweigsame Cowboys sein müssen. Wir finden das super und hoffen, dass wir unsere Liste noch um viele weitere Punkte ergänzen können – oder dass es irgendwann einfach ganz normal und nicht der Rede wert ist, wenn Bros zusammen brunchen gehen.

 

Lara

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