Buch(inger) Review – „ Der Letzte macht den Mund zu “

(Foto: © Katharina Höcker)

Der Paketbote muss wohl geahnt haben, dass ich kreischen würde wie die Frau aus der Zalando-Werbung und hat das Päckchen einfach in den Briefkasten geworfen – trotzdem hat mich das literarische Debüt von Michael Buchinger „Der Letzte macht den Mund zu“ pünktlich am 14. Juli erreicht. Seit ein paar Jahren ist Michael Buchinger der einzige YouTuber, dessen Videos ich regelmäßig anschaue und spätestens seit ich meinen Freundeskreis danach caste, ob sie über Deppaté oder Simsalabim – Seifen selbst gemacht (übrigens das erste Video, dass ich gesehen habe) genauso sehr lachen können wie ich, kann man mich getrost als Fangirl bezeichnen. Dass ich mir das Buch kaufen würde, stand also außer Frage. Was mir allerdings erst dämmerte, als ich ein Exemplar in der Hand hielt: Was, wenn meine hohen Erwartungen unweigerlich in Enttäuschung enden würden?

Die Komik der Videos kommt nicht zuletzt durch Michis Persönlichkeit zustande. Seine Stimme, die charmante Art, mit der er sich bei der Hass-Liste in Rage redet und eine Flasche Weißwein als wichtigste Requisite. Wie viel davon steckt in „Der Letzte macht den Mund zu“? Kommen wir zuerst zu den harten Fakten: Das Buch ist etwas mehr als 200 Seiten stark und in thematische Untertitel gegliedert, die sich jeweils mit einem sehr hassbaren Bereich des Lebens beschäftigen – Dickpics und Online-Dating zum Beispiel. Jedes Kapitel endet mit Buchingers Goldenen Regeln, die das Kapitel pointiert zusammenfassen und zu den neuen zehn Geboten erhoben werden sollten. Die Struktur hat den Vorteil, dass man jedes Kapitel auch sehr gut einzeln und ohne Kontext lesen kann: Das literarische Äquivalent dazu, einen Happen Käse zu snacken. Inhaltlich ist sich Michi treu geblieben: Das Buch orientiert sich an der Hass-Liste und treue Fans stolpern über den ein oder anderen lieb gewonnenen Gag (Witze über Ungarn gibt es auf den Seiten 18 und 25).

Gleichzeitig ist das Buch viel mehr als eine getippte Hass-Liste (habe ich erwähnt, dass dieses Format mit dem Web-Video-Preis ausgezeichnet wurde?). Es ist eine wilde Mischung aus persönlichen Anekdoten, Humor und ernsten Worten. Ja, ihr habt richtig gelesen. In vielen Kapiteln klingt ein ernsterer Unterton durch. Das ist keinesfalls Kritik, sondern die große Stärke des Buches. Insbesondere in Kapiteln wie „Ich bin kein Mädchen, ich kleide mich nur gerne so“ liest man eine so kluge und reflektierte Einstellung zu Gendernormen heraus, dass man beim Lesen laut „Yassss, slay!“ rufen möchte. Trotzdem wird das Buch nicht trocken oder moralisierend, sondern bleibt immer leicht und humorvoll.

Mit meiner Lobeshymne bin ich übrigens nicht alleine, derzeit steht „Der Letzte macht den Mund zu“ auf Platz 11 der Spiegel Bestsellerliste. So oder so: Ich bin begeistert und habe das Bedürfnis, Michi wahlweise einen würzigen Cheddar oder einen saftigen Schokokuchen zu spendieren. Wenn ihr übrigens die Sorte Mensch seid, die statt das Buch zu lesen lieber den Film schaut, dann lege ich euch Michis Q&A-Video zum Buch ans Herz.

But now: Everybody do (or read, or watch) the Michi!

Kathi
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