Reisebericht Cortona – Anleitung für den perfekten Wochenendtrip

(Bild: © Isabelle Micul)

Gar nichts erlebt. Auch schön. (Mozart, Tagebuch, 13. Juli 1770)

Schon seit Februar reden Kathi und wir darüber, dass wir unbedingt noch einen Urlaub zusammen machen wollen, nachdem wir alle unsere Bachelorarbeiten abgegeben haben. Nach wochenlangem Bücherwälzen und durchgemachten Nächten wollten – und brauchten – wir das komplette Gegenprogramm. Nun stellt eine Woche Urlaub zu dritt eine organisatorische und finanzielle Herausforderung dar – vor allem wenn zwei von drei einen Teilzeit-Nebenjob haben. Fancy Locations wie Südostasien oder Santorin waren auch von vornherein ausgeschlossen. Zwei Wochen vor Abgabetermin beschlossen wir relativ spontan, für ein Wochenende nach Italien zu fahren.

Reisen bedeutet normalerweise, etwas zu erleben, neue Dinge zu sehen und den ‚Horizont zu erweitern’. Wir entschieden uns bewusst gegen all das. Alles, was wir wollten, war den Bauch in der Sonne brutzeln zu lassen und nichts zu tun. Ende Juli noch eine hübsche und günstige Unterkunft am Meer zu finden ist allerdings etwas schwierig, also disponierten wir um und fanden bei airbnb ein Häuschen in der toskanischen Pampa. Ab vom Schuss und weit weg von der Zivilisation schien es perfekt für unser Vorhaben. Mehr als einen Ort zum Schlafen, einen Pool und viel Sonne brauchten wir schließlich nicht.

Zugegeben, zehn Stunden Autofahrt sind nicht unbedingt Entspannung pur. Aber bei der Ankunft ist das auch ganz schnell vergessen – wenn man das Haus dann auch gefunden hat. Unsere Unterkunft war tatsächlich so entlegen, dass nicht mal die Dorfbewohner wussten, wo sich die gesuchte Adresse befindet. Zum Glück sind die Italiener ein wahnsinnig freundliches Volk und wir fanden gleich zwei hilfsbereite Zeitgenossen, die uns persönlich zur Location eskortierten. Fun-Fact: Die erste Eskorte brachte uns leider zum falschen Haus, wo uns dann eine verstörte Familie in ihrem Pool vorfand, von dem wir dachten, es sei unserer.

„We’re staying here for the weekend, we booked this place.“ – „I really don’t think so.“

Verschwitzt, enttäuscht und etwas panisch, dass man uns bei airbnb verarscht hatte, sammelten wir unser Gepäck wieder ein und packten das Auto – again. Zum Glück tauchte in Form von zwei süßen Italienerinnen direkt die Rettung auf, die uns diesmal zum richtigen Haus führte. Unsere Ärger auf den Vermieter (der offenbar sein Handy weggeworfen hatte und unerreichbar war) war wie weggeblasen, als wir ihn kennenlernten. Angelo – der unser Großvater hätte sein können – wickelte uns mit seiner Gastfreundlichkeit und dem italienischen Charme sofort um den Finger. Vielleicht half auch die Tatsache, dass wir nun endlich wirklich angekommen waren. Das Gepäck war schnell im Apartment verstaut, mit ihren gebrochenen Italienisch-Skills versuchte Isabelle den Erklärungen Angelos zu folgen (der kein Wort Englisch konnte) und schon waren wir bereit, mit dem aufblasbaren Flamingo den Rest des Tages am Pool zu verbringen. Die Entscheidung, unseren geplanten Tagesausflug nach Siena am nächsten Tag zu canceln, war schnell gefällt – es war einfach zu heiß. Aus demselben Grund verzichteten wir auch auf den Genuss der italienischen Küche und versorgten uns in einem 30km entfernten Coop lediglich mit Wasser, Tomaten, Oliven, Käse, Obst und Joghurt. Wir verbrachten das Wochenende also wunderbar langweilig und (relativ) ereignislos.

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Es muss also nicht immer eine ganze Woche Urlaub sein, den man mit allerlei Aktivitäten vollstopft. Egal ob Italien, die Nordsee oder ein anderer Ort in einem maximalen Radius von 800km – ein Wochenendtrip mit Freunden lässt sich mit kleinem Budget (in unserem Fall insgesamt 130€) realisieren. Wir vergessen ganz gerne, dass eine Auszeit zur Erholung auch ganz ohne großen Aufwand machbar ist. Ein bisschen Spontaneität und ein Auto oder ein Flixbus-Ticket machen alles möglich. Wenn man dann noch eine gute Playlist und die richtigen Leute dabeihat, dann steht einem erinnerungswürdigen Wochenende eigentlich nichts mehr im Weg.

Zum Schluss haben wir noch einige Dinge aufgelistet, die wir gelernt haben:

  1. Man ist nie zu alt für ein aufblasbares Schwimmtier.
  2. Ja, man kann tatsächlich zu viele Snacks auf der Fahrt dabeihaben.
  3. In Italien gibt es keinen anständigen Eiskaffee (Finger weg von Nescafé Shakissimo!!!)
  4. Road Rage ist absolut akzeptabel.
  5. Italiener baggern dich sogar auf der Autobahn bei 130 km/h an.
  6. Wenn du so sehr im Stau stehst, dass die Leute schon ihre Autos verlassen, denk dir lustige Hintergrundgeschichten zu ihnen aus.
  7. Singen hilft. Immer. Titel, die auf jeden Fall auf die Playlist müssen: „I’m gonna be (500 Miles)“ von The Proclaimers, „I was made for loving you“ von Kiss, „Nel blu dipinto di blu (Volare)“ von Domenico Montugno, „Otherside“ von Red Hot Chili Peppers, „Are You Gonna be my Girl“ von Jet, „Midnight City“ von M83, „Je veux“ von ZAZ… (Wir könnten noch ewig weitermachen, aber das ist auf jeden Fall mal ein guter Anfang.)
  8. Einmal in den falschen Pool zu hüpfen ändert echt was an deiner Moral.
  9. Coop in Italien ist Food Heaven. ❤
  10. Für die Zukunft: mehr Road- und Wochenendtrips.

 

Lara und Izzie

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