Kolumne: Alleinsein für Anfänger und Fortgeschrittene

(Bild: © Diana Warkentin)

Ich möchte diese Kolumne der Zeit widmen, die man freiwillig alleine verbringt. Very much appreciated, oft benötigt und für manche sogar essentiell, um im Kontakt mit den Mitmenschen nicht zum Arsch zu werden. Und doch kassiert man in der Regel wenigstens einen schiefen Blick, wenn man sich dazu entscheidet, mal nichts vorzuhaben. Jeder von uns weiß, dass man seinen Freunden nicht absagt, weil man lieber Zeit alleine verbringen will. Also rutscht einem dann eben schnell mal die Notlüge über die Lippen, man habe andere Pläne oder noch Dinge zu erledigen. Ist klar.

Aber warum sind wir nicht einfach ehrlich?

Das Alleinsein dem (sogenannten) Sozialleben vorzuziehen gilt gemeinhin als verpönt und deshalb gibt auch niemand offen zu, dass man auch ganz gerne mal nichts mit den Freunden unternimmt. Wir übersehen dabei ganz offensichtlich den Fakt, dass es unseren Freunden höchstwahrscheinlich genauso geht wie uns selbst und sie sich von Zeit zu Zeit lieber mit einer Pizza und Netflix ins Bett legen wollen, um sich in ihrem Alleinsein (nicht in ihrer Einsamkeit) zu suhlen, anstatt sich mit anderen Menschen auf Drinks zu treffen.

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Copyright by Diana Warkentin

„Me, myself, and I“ ist nicht nur ein Song, sondern für die meisten unter uns ein wichtiger Bestandteil ihrer Freizeitplanung – und das ist auch richtig so.

Ich verbringe unheimlich gerne und viel Zeit mit meinen Freunden, ich wohne gerne mit meinem Partner zusammen und verbringe dementsprechend viel Zeit mit ihm (auch das mache ich sehr gerne). Ich bin bei weitem kein unsozialer Mensch – aber ich bin auch eben gerne allein. Vor allem, weil ich dazu neige, mir zu viel aufzuladen und ganz schlecht Nein zu anderen sagen kann, ist das Alleinsein so wichtig (für mich). Wie man alleine ist, spielt dabei letztlich keine Rolle. Du kannst im Bett rumliegen und den ganzen Tag keinen Finger bewegen (außer um die nächste Folge deiner Serie zu starten – und auch das ist erst bei der dritten Folge auf Netflix notwendig, da es dich sonst besorgt fragt, ob du noch da bist). Du kannst zum Sport gehen, einen Kaffee trinken, ins Strandbad oder an den See gehen, du kannst alleine auf Reisen gehen – im Prinzip kannst du fast alles tun, was du auch mit deinen Freunden tun würdest. Natürlich gibt es viele unter uns, die nicht gerne Zeit alleine verbringen, die dann gelangweilt sind oder sich gar einsam fühlen. Menschen, die nicht alleine sein können. Alleinsein ist jedoch essentiell und vor allem erlernbar (ein Lichtblick für alle, die bis jetzt noch nicht so gerne alleine mit sich selbst waren): Der Rückzug hilft bei der Regeneration und dabei, sich zu sortieren und zu reflektieren.

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Copyright by Diana Warkentin
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Copyright by Diana Warkentin

Das heißt nicht, dass ich mich auf eine spirituelle Reise in mein Innerstes begebe, sobald ich alleine bin, um herauszufinden, welche ungelösten Konflikte mich aufwühlen. Ha – nein. Mein Alleinsein ist eine Zeit, in der ich zulasse, mal nur das zu tun, was ich will, ohne mich nach jemand anderem zu richten. Mal Ja zu mir selbst sagen, statt wie sonst zu allen anderen. (Das klingt jetzt esoterischer, als es soll.) Alleinsein hilft aber nicht nur dabei, ein bisschen mehr über sich selbst und die eigenen Bedürfnisse zu lernen, die im Alltag und im Umgang mit anderen Menschen dazu neigen, unterzugehen. Alleinsein stärkt außerdem das Selbstbewusstsein, lässt uns unabhängiger werden und führt dazu, dass wir entschleunigen und uns für ein paar Stunden den Stress von den Schultern nehmen, ihn in eine Ecke stellen und dort stehen lassen. Wir sollten uns also im Alltag so viel öfter die Zeit nehmen und sie uns selbst widmen. Lernen, was man selbst braucht, um die Batterien mal wieder aufzuladen.

Hier ist also mein ernst gemeinter Rat: Kümmere dich um dich selbst – und wenn dir diese Art gesunder Egoismus schwerfällt, betrachte dich als ein Date, mit dem du gerne Zeit verbringst und zu dem du die Beziehung stärken willst.

Izzie

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