Über das Glücklich-Werden – „The Subtle Art of Not Giving a Fuck“

(Foto: © Diana Warkentin)

Ich bin normalerweise niemand, der seine Zeit damit verbringt, Ratgeber darüber zu lesen, wie ich endlich glücklich werde. Trotzdem sind die Ausnahmen die Regel, wie man so schön sagt. Beim Stöbern auf Instagram sprang mir irgendwann Mark Mansons The Subtle Art of Not Giving a Fuck (dt.: Die subtile Kunst des Drauf-Scheißens) förmlich ins Auge – sehr orange und mit einem catchy Titel. Wer mich kennt, weiß, dass ich (leider) ziemlich viel fluche und deshalb schien allein der Titel von Mansons „Ratgeber“ natürlich wie für mich gemacht. Die Tatsache, dass das Taschenbuch quasi eine optische Handgranate ist, hat mich dabei nicht aufgehalten. (Zur Info: Eigentlich hasse ich orange.)

Der Untertitel „A Counterintuitive Approach To Living A Good Life“ machte mich verdammt neugierig: Offenbar scheinen wir Menschen intuitive Verhaltensweisen an den Tag zu legen, die dazu führen, dass wir irgendwie nicht so recht zufrieden sind. Oder glücklich. Dass dem so ist, ist unbestreitbar, man muss sich nur die Masse an einzigartigen Glücks-Ratgebern in den Regalen der Buchhandlungen ansehen oder den Positivity-Hype auf Instagram und anderen sozialen Netzwerken (mal abgesehen vom ewig emotional gezeichneten tumblr).

Jetzt steht da also ein weiterer Ratgeber in den Regalen der Buchhandlungen und wartet darauf, euer Leben zu verändern. Und ich sitze hier und versuche in Worte zu fassen, warum eben dieser Ratgeber es vielleicht doch schafft, eure gedankliche Filterblase aufzubrechen und etwas zu verändern. Weil für ein solches Unterfangen eine Liste noch nie geschadet hat, folgen nun die fünf wichtigsten Punkte der Mansonschen Argumentation – wobei ich natürlich versuchen werde, nicht zu viel zu verraten.

  1. Manson erklärt den Feedback Loop of Hell und wie du beispielsweise aufhörst, dich ständig über alles Mögliche aufzuregen, was dazu führt, dass du dich darüber aufregst, dass du dich aufregst, was zu der Erkenntnis führt, dass du offenbar generell jemand bist, der sich ständig aufregt und du dich deshalb über dich selbst aufregst.
  2. Der Wunsch nach positiveren Erfahrung ist selbst eine negative Erfahrung. Und paradoxerweise ist die Akzeptanz der eigenen negativen Erfahrungen selbst eine positive Erfahrung. Wie genau dieses backwards law des Philosophen Alan Watts funktioniert und was das Ganze mit Albert Camus zu tun hat, lest ihr im Buch.
  3. Von nichts kommt nichts. Und weil das eine ganz banale Weisheit ist, sollen wir auch damit aufhören, uns lediglich zu fragen, was wir vom Leben wollen, sondern was wir bereit sind zu leisten und auszuhalten, um ans Ziel zu kommen.
  4. Das „Tu was“-Prinzip. Um einen weisen Zeitgeist zu zitieren: just do it. Wir nehmen an, dass Inspiration zu Motivation führt, die dann zu Aktion führt. Vorsicht, the backwards law strikes again: Das Gegenteil ist der Fall. Fang an zu handeln, daraus folgt die Inspiration, die dann zur Motivation führt (Link Motivationsartikel).
  5. Gegen Ende des Buchs zitiert Manson Bukowski (ja, zugegeben, auch im ersten Kapitel) und fasst mit diesem Zitat das fundamentale Problem mit dem Glück zusammen: „We’re all going to die, all of us. What a circus! That alone should make us love each other, but it doesn’t. We are terrorized and flattened by life’s trivialities; we are eaten up by nothing.”

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Copyright by Diana Warkentin

Zugegeben, Mansons New York Times Bestseller ist inhaltlich nicht direkt ein Erguss innovativer philosophischer Gedanken. Der Autor greift in vulgärer Sprache Ideen aus vergangenen Jahrhunderten auf und fasst sie auf brutal ehrliche Weise zusammen (das Wort fuck findet sich im Buch etwas mehr als 160 Mal – ja, ich habe nachgezählt –, die anderen Schimpfwörter nicht mitgerechnet.)

Kritisch betrachtet könnte The Subtle Art of Not Giving a Fuck also auch als ‚Buddhismus für Bros’ bezeichnet werden, als Hipster-Ratgeber, als wiedergekaute Philosophie, als Millenials-Lektüre. Warum das alles nicht gegen Mansons Erstwerk spricht? Zum einen ist die Geschichte der Menschheit voll mit Variationen perpetuierter Gedanken, mal mehr, mal weniger richtig, mal mehr, mal weniger relevant. Ein gutes und glückliches Leben zu führen wird für den Menschen als solchen immer wichtig sein, was die Existenzgrundlage für jegliche Ratgeber bildet – leider auch die der schlechten. Zum anderen serviert Manson eine Grundlage an verschiedenen Philosophen, Psychologen, historischen Figuren und deren Gedanken und Theorien, die man zumindest schon mal gehört haben sollte. Vor allem aber bringt The Subtle Art of Not Giving a Fuck so gar nicht subtil auf den Punkt, wie unser Denken und Handeln uns Steine in den Weg legt, ohne dass wir es merken. Selbst wenn ihr sagt, dass kein Ratgeber der Welt euch noch glücklicher machen kann, als ihr sowieso schon seid: Mansons Erstwerk liest sich ganz wunderbar und bringt zum Lachen. Und – Spoiler Alert – es kommt ein Panda darin vor.

 

Izzie

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