Berlin für Anfänger – Survival-Guide für den Großstadtdschungel

(Foto: © Hannah Frontzek)

„Manchmal fühle ich mich einsam in Berlin.“ – „Aber wie kann denn das sein? In Berlin leben doch so viele Menschen?!“

Richtig! Und das ist eben das Problem. Berlin ist eine Großstadt – eine sehr große Großstadt. Da kann man schon mal schnell untergehen und sich ganz klein und anonym fühlen unter 3,5 Millionen anderen Menschen. Wenn jedes Jahr 60.000 Neuberliner dazukommen und ich einer davon bin, bin ich zwar nicht alleine mit diesem Problem, allerdings schnappen mir die anderen vielleicht auch den einen oder anderen potentiellen Freund oder Platz in der Yogagruppe weg. Vielen Menschen geht es so wie mir; sie sind ebenfalls auf der Suche nach einem neuen Freundeskreis, nach einem Ort, an dem man ankommen und sich völlig darauf einlassen kann. In der Hauptstadt ist immer etwas los, egal wohin man geht. Was soll also daran so schwer sein, neue Leute kennenzulernen? Geh doch auf die Straße, schau dich um und in deiner Nähe sind bestimmt zehn Menschen, die du einfach ansprechen könntest. Wenn das nur so einfach wäre.

Besonders wenn man kurze Wege gewohnt ist, im Lieblingscafé immer bekannte Gesichter trifft und beim Feiern sowieso die halbe Stadt wiedersieht, kann Berlin einen ganz schön schnell in die Sackgasse führen. Doch trotz der unzähligen Cafés, Bars und Parks bewegen sich die Berliner meistens in ihrem Kiez. Dort wohnen die Freunde, die Kinder gehen hier zur Schule und der Bäcker kennt, wenn es gut läuft, sogar schon deine Bestellungen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und nur weil es so ein großes Angebot gibt und die „Berliner sowieso ganz verrückte Vögel sind“ und das doch gewohnt sein sollten, bleiben auch sie gerne in ihrem vertrauten Bereich mit kurzen Strecken und bekannten Ecken.

So vielfältig und spannend das „dicke B an der Spree“ auch ist, können ein paar Tipps zum Kennenlernen der Stadt und um sich zurechtzufinden durchaus hilfreich sein. Deshalb haben wir für euch den Survival-Guide „Berlin für Anfänger“ zusammengesellt, damit es nicht heißt: Hilfe, ich bin in einer Großstadt – holt mich hier raus.

  1. „Online-Dating“

Den sozialen Medien sei Dank. Ohne sie wären wir in so manchen Situationen mittlerweile sehr aufgeschmissen. So helfen sie uns auch bei einem Neuanfang, in einer fremden Stadt Kontakte zu knüpfen. Denn erst recht im Arbeitsleben ist es alles andere als leicht, in einer Stadt wie Berlin Menschen außerhalb des Büros kennenzulernen. Facebook-Gruppen wie Neu in Berlin erleichtern es uns, Menschen „anzusprechen“. Ob ein Partner zum Laufen gesucht wird oder eine gemütliche Runde für das Feierabendbier, Konzert-Freunde oder Superbowl-Fans – hier wird es uns ermöglicht, auf Leute zuzugehen und auf Gleichgesinnte zu treffen. Über derartige Gruppen, die es übrigens für nahezu jede Stadt gibt, haben sich schon die ein oder anderen engen Freundschaften oder Beziehungen gebildet.

  1. Offline-Gruppen und Kurse:

Auch außerhalb der Sozialen Netzwerke lassen sich Kontakte knüpfen oder Beschäftigungen finden. Ziehen wir in eine neue Stadt, kramen wir in unserer alten Hobby-Kiste und kommen vielleicht auf die ein oder andere Idee, was wir an diesem Ort wieder aufleben lassen oder ausprobieren könnten. Es gibt immer etwas, das wir mal tun wollten oder in unseren Erinnerungen einstauben haben lassen – jetzt ist die Zeit dafür. Gerade in Großstädten finden sich unzählige Gruppen und Kursangebote, bei denen für jedermann etwas dabei ist. Nicht nur Sportkurse von der VHS, Uni oder dem nächstgelegenen Fitnessstudio, Sprachkurse oder Politikstammtische. Es gibt tatsächlich auch Gruppen wie die „Stricklieseln“, die „Fellnasen-Freunde“ oder die „Lichterfelder Malfans“. Es können sich Freundschaften entwickeln oder dies kann auch einfach nur ein Ort sein, um runterzukommen von dem Trubel, der einen den Tag über umgibt und von der Arbeit, die einen 40 Stunden die Woche aufsaugt. Gerade in einer Großstadt ist es wichtig, sich eine „Ruhequelle“ zu suchen, einen Abend in der Woche oder einen Ort, an dem man dem Alltag und dem Treiben der Stadt, die niemals schläft, entfliehen kann. Solch eine Tradition kann ein hilfreiches Muster vorgeben im Labyrinth des Großstadtdschungels.

  1. Einfach loslaufen:

Kamera, Geldbeutel und Handy schnappen und vor die Haustüre gehen, sich treiben lassen vom Strom der Mitmenschen und schauen, wo man landet. Ist es ein Café, das man auf dem Weg zur Arbeit in der Eile immer übersehen oder eine Umgebung, in die man sich zuvor noch nicht verirrt hat? Wir neigen dazu, immer raus zu wollen aus der eigenen vertrauten Gegend, ans andere Ende der Stadt oder in die Umgebung der Freunde. Dabei kann die eigene Nachbarschaft doch so schön sein und einige Plätze bereit halten, die wir noch nicht kennen. Nehmt euch mal einen Tag Zeit, um euer Kiez zu erkunden und ihr werdet Ecken und Läden entdecken, die selbst Google nicht kennt. Dabei kann man wiederum auf ein neues Yoga-Studio stoßen, das zur Mittwochstradition werden kann. Das heißt selbstverständlich nicht, dass nicht auch das Kiez am anderen Ende der Stadt entdeckt werden will. Alleine loslaufen mag den einen oder anderen eine Prise Mut kosten; es wird sich aber lohnen, denn man bekommt von niemandem vorgeschrieben, wo es lang gehen soll.

  1. Lieblingsorte finden und Traditionen entwickeln

Apropos Tradition: Um sich in Berlin nicht gänzlich zu verlieren, kann eine Tradition eine große Hilfe sein. Das kann schon bei dem wöchentlichen Gang zum Stamm-Döner beginnen oder eben bei Gruppen und Kursen, die uns Halt geben, um nicht in dem Strudel aus 3,5 Millionen Menschen unterzugehen. Viele Berliner nutzen jede Gelegenheit, um rauszukommen aus der Stadt und abzuschalten an einem ruhigeren Ort mit Meeresrauschen statt U-Bahntönen und an dem die Meeresprise um die Nase weht und nicht die Abgase der Autos. Aber auch Parks (die meist überfüllt sind, da sich mehrere dorthin flüchten) oder Museen können den Lärmpegel für einen Moment runterdrehen und zu einem Wohlfühlort werden. Und dann gibt es natürlich den Buchladen, das Lieblingscafé oder die Bar um die Ecke, die ein wichtiger Bestandteil unserer Woche werden und gerade in großen Städten bei der Vielzahl an Buchläden, Cafés und Bars von großer Bedeutung sein können.

  1. (Alte) Kontakte aktivieren

Kontakte sind das A und O – im Beruf sowie in einer neuen Stadt. Manchmal muss man über seinen Schatten springen und alte Kontakte wieder aktivieren oder Freundesfreunde anschreiben. So kam es, dass ich nach vier Jahren eine alte Freundin in Berlin wiedergetroffen habe und auch sonst mich mit Bekannten aus anderen Zeiten und Städten in Verbindung gesetzt habe, mit denen ich vielleicht sonst nicht mehr zusammengekommen wäre. Eine WG kann dabei natürlich besonders helfen und neue Freundeskreise eröffnen. Denn das wichtigste in einer Stadt sind schließlich die Leute, mit denen man Zeit verbringt und bei denen man sich wohlfühlt.

Hannah

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