Warum ich den Valentinstag hasse 

(Foto: © Katharina Höcker) Stellt euch vor, es ist der 14. Februar und ihr kommt nach einem langen Tag nach Hause. In der Wohnung empfängt euch das gedämpfte Kerzenlicht einer Spur aus Teelichtern, die ins Schlafzimmer führt. Und dort steht euer Herzblatt, geschniegelt, im Hemd und sogar ohne fremden Lippenstift am Kragen. In der einen Hand hat er einen Strauß roter Rosen und in der anderen Hand ein Blatt Papier, von dem er in unsäglich schlechten Paarreimen eine Liebeserklärung abliest. Na, kommt euch auch schon das Kotzen?

Die Überschrift hat euch ja schon verraten, dass ich den Valentinstag ähm… kritisch sehe. Es mag daran liegen, dass ich lange Zeit in einem Blumenladen gearbeitet habe. Alljährlich wischt man dort den (ohnehin schon extrem hohen) Preis von den Rosen, macht sie ein bis zwei Euro teurer und wartet, bis nervös schwitzende Männer auf den letzten Drücker den Laden stürmen und jeden noch so absurden Preis bezahlen. Ich will ehrlich gesagt gar nicht wissen, wie das bei Parfümerien aussieht. Wobei, die sind ja doch eher harmlos, nur eben für den prall gefüllten, pardon, besonders verliebten Geldbeutel gedacht. Für kleines Geld bietet selbst die Tankstelle eures Vertrauens mittlerweile Pralinen und Blumen. (Pro Tip: Finger weg, außer ihr wollt eure Trennung beschleunigen.) Besser: Parfum. Aber nur weil Coco Chanel mal gesagt hat: „Tragen Sie Parfüm überall da auf, wo sie geküsst werden möchten“ am 14. Februar ein fieses Brennen riskieren?

Ganz fabelhafte Liebesbekundungen gibt es auch bei Dessous-Herstellern. Ein ganzes Team kreativer Köpfe hat sich Gedanken gemacht, wie man besonders viele herzförmige Cut-outs auf einem einzigen Kleidungsstück unterbringt. Euch ist selbst das noch zu brav? Eis.de empfiehlt in der Kategorie „Valentins-Überraschungen“ den edlen Strap-on aus Edelstahl mit 14,5 Zentimetern Länge. Ja, ich bin mir sicher, das er mit dieser Überraschung nicht gerechnet hat – ganz und gar nicht. Aber da muss er wohl durch, sonst geht er ja am SchniBlo-Tag leer aus. Falls euch das nichts sagt: Das soll eine Art Valentinstag für Männer sein, an dem sie von ihren Freundinnen ein Schnitzel und einen Blowjob bekommen. Und da sagen alle, Romantik sei tot.

Der Valentinstag ist vor allem eins: Kommerz all over. Und in vielen Fällen hat die eigene Vorstellung von Romantik so gar nichts damit zu tun. Ich zumindest schaue am Valentinstag lieber Das Schweigen der Lämmer als den neuen Fifty Shades of Grey. Aber irgendwo hingehen und was machen muss man ja schließlich, denn wie soll man sonst ein süßes Pärchenbild mit dem  #couplegoals hochladen?

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Okay, okay, nicht alle Menschen hassen den Valentinstag mit solch glühender Leidenschaft wie ich. Auch unser Blogteam war sich nicht ganz einig. Etwas Schönes mit dem Freund unternehmen? Klar, jederzeit. Aber eben nicht, um sich an diesem einen Tag ein Schaulaufen mit anderen Paaren zu liefern. Menschen, die man liebt, mit einer kleinen Aufmerksamkeit überraschen? Süße Idee, nur ist es keine Überraschung, wenn der Kalender es dir vorschreibt. Wenn du einen speziellen Tag brauchst, um dich daran zu erinnern, mal wieder nett zu deinem Partner zu sein, dann brauche ich mir eure gequälte Konversation bei Nobel-Italiener nicht mit anhören, um eine eher düstere Zukunftsprognose auszusprechen.

Aber dann gibt es ja noch die andere Sorte Pärchen: Die, die hauptberuflich vergeben sind, „taken“ in ihre Instagram-Bio schreiben, sich aufrichtig freuen, wenn #bae ein Kissen mit seinem Gesicht drauf anschleppt und zum Dreimonatigen (also bitte, ich hatte schon Ausschlag mit mehr commitment) ein Liebesschloss anbringen. Klar, dass die auch am Valentinstag bei der Pärchen-Olympiade mitmachen. Vielleicht wäre Auswandern eine Möglichkeit, sich vor so viel kitschigem Enthusiasmus zu schützen? In Saudi-Arabien steht der Valentinstag auf der Verbotsliste des Islamischen Rechts und der Kauf von Gegenständen, dich sich als passendes Geschenk eignen, streng verboten. Zugegeben, das ist selbst mir ein bisschen zu  hart. Trotzdem bleibe ich dabei. Valentinstag? Nein, danke.

Kathi 

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2 Gedanken zu “Warum ich den Valentinstag hasse 

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