How to: Fernfreundschaften

(Foto: © Katharina Höcker)

Ein Umzug bedeutet, einen geliebten Ort und seine ebenso geliebten Freunde hinter sich zu lassen. Dennoch muss das kein Abschied auf Ewig sein: Der Ort kann immer wieder besucht werden und auch die Freunde kann man wiedersehen und in Kontakt bleiben. Dabei mag der Spruch „wir bleiben in Kontakt“ jedoch einfacher über die Lippen gehen als er in der Realität umsetzbar ist. Und die Angst, nach dem Umzug den einen oder anderen Freund aus den Augen zu verlieren, schwingt stets mit. Doch für gute Freundschaften lohnt es sich, zu kämpfen – schließlich muss ein Umzug (erst recht heutzutage) nicht gleich das Ende einer Beziehung bedeuten. Den Kontakt zu seinen räumlich weit entfernten Freunden zu halten mag dem einen leichter und dem anderen schwerer fallen. Wir kennen das aus einer Fernbeziehung: Kontakt halten über mehrere hundert bis tausend Kilometer erfordert viel Zeit und Arbeit. Die Sozialen Medien mögen uns dabei zwar eine große Hilfe sein; den Kontakt pflegen müssen wir aber immer noch selbst. Hinzu kommt, dass wir eher nicht in ein 20-Einwohner-Dorf ziehen, in dem der Nachbarshund unser einziger Freund wird, sondern in eine neue Stadt, in der wir neue Freunde finden und auch diese Beziehungen pflegen müssen. Dabei wollen wir den Kontakt zu unseren alten Freunden nicht zu kurz kommen lassen und das gleichzeitig zu schaffen kann durchaus anstrengend sein.

So kristallisiert sich mit dem Wegziehen aus einer Stadt heraus, wer die wahren Freunde sind und zu diesen halten wir dann auch Kontakt trotz der großen Umstellung. Denn waren wir es gewohnt, nur kurz am Telefon die Abendplanung zu klären oder eine Nachricht mit Zeit und Ort auszutauschen, das heißt 90 Prozent untereinander in einer face-to-face-Kommunikation zu klären, so sind wir nun auf digitale Kommunikation angewiesen. Die einzige Verbindung zu unseren entfernten Freunden ist auf das Telefon, Whatsapp, Facebook oder Skype beschränkt.

Und dennoch kann eine Fernfreundschaft etwas ganz Besonderes sein und die Beziehung auf eine Art auch kräftigen. Nun müssen wir zwar viel mehr erklären und erzählen, da die Person die Erlebnisse nicht mehr mit uns teilen kann – durch das Vertrauen und die enge Beziehung kann man sich jedoch vielmehr in den Freund am anderen Ende der Leitung hineinversetzen, den man so gut kennt und einschätzen kann. Fernfreundschaften helfen uns zudem, an einem neuen Ort anzukommen, ohne sich komplett alleine gelassen zu fühlen. Die Lücke der Einsamkeit kann manchmal mit einem zweistündigen Telefonat mit der besten Freundin gefüllt werden. Und zu wissen, dass es Menschen gibt, die dich und deine Vorgeschichte aus einer anderen Stadt kennen und sich deshalb vorstellen können, wie es dir in diesem Moment geht, was und wer dir fehlt, kann so manches einfacher machen. Abgesehen davon – wie schön kann ein Telefonat sein? Meist lernen wir erst mit der Entfernung das Telefonieren schätzen und abgesehen davon, dass nun jeder in seinem Zimmer den Tee alleine schlürfen muss, weicht ein Telefonat nicht groß von einem normalen Girlstalk ab.

Und dann sind da noch die Wochenenden, an denen es ein Wiedersehen gibt. Ob einmal im Jahr oder alle paar Wochen – wie in einer Fernbeziehung ist die Vorfreude auf die gemeinsame Zeit umso größer, die Tage miteinander umso intensiver und der Abschied umso schmerzhafter. Doch genau das beweist eine funktionierende Fernfreundschaft: Man muss sich nicht oft sehen, muss nicht jeden Tag schreiben; aber wenn man sich wiedersieht, blüht die Freundschaft auf und es wird klar, dass sie nicht schwächer war aufgrund einer räumlichen Trennung. Immerhin gibt es sogar Freundschaften, die von Beginn an Fernfreundschaften waren und wohl der beste Beweis dafür sind, dass das Konzept Fernfreundschaften ein funktionierendes ist. Der Vorteil gegenüber einer Fernbeziehung? Wir haben keine Verpflichtungen oder zumindest eine entspanntere Beziehung zu unseren Freunden hinsichtlich der Häufigkeit, sich zu melden und zu treffen.

Nur weil man eine Stadt hinter sich lässt und einen Neuanfang wagt oder auch für eine Zeit an einem anderen Ort lebt, müssen alte Freundschaften nicht zerbrechen oder erschwert werden. Wir haben im 21. Jahrhundert alle Möglichkeiten, schriftlich und visuell miteinander zu kommunizieren anders als der junge Werther einige Jahrhunderte zuvor. Dabei muss jeder für sich selbst herausfinden, in welchem Maße und auf welche Art und Weise die Fernfreundschaften gepflegt und aufrechterhalten werden. In jedem Fall ist eine Fernfreundschaft eine ganz besondere Bindung zwischen zwei Menschen, die mit jener vor Ort nicht verglichen werden kann. Und steht ein Geburtstag bevor oder wird dringend eine Umarmung gebraucht, kann man sich jederzeit in Flugzeug, Bus oder Bahn setzen und schon ist man wieder ganz nah.

                                                                                                                                                     Hannah

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