5 Dinge, die wir lieben (die leider gar nicht mal so cool sind)

(Foto: © Isabelle Micul)

1. Avocados

Wäre die Generation Y eine Frucht, wäre sie eine Avocado. Egal, ob als Guacamole oder auf Toast – die Beere aus der Familie der Lorbeergewächse (danke, Wikipedia) wird als absolutes Superfood gehandelt und erfreut sich enormer Beliebtheit. Sie ist reich an „gutem Fett“, was auch immer das genau sein mag, zahlreichen Vitaminen und Aminosäuren. Die Avocado kann also quasi alles. Leider verbraucht der Anbau von einem Kilo Avocado – das entspricht etwa zweieinhalb Früchten – sage und schreibe tausend (!) Liter Wasser. Das ist umso schädlicher, wird sie doch hauptsächlich in Regionen angebaut, in denen Wasserknappheit herrscht. Von den Pestiziden, Arbeitsbedingungen der Bauern und CO2-Emissionen durch weite Transportwege ganz zu schweigen. In Mexiko haben inzwischen sogar die Drogenkartelle ihre Finger im Avocado-Geschäft, was uns wiederum dazu veranlassen sollte, schleunigst die Finger von Avocados zu lassen.

2. Friends

Friends ist die Mutter aller „eine Gruppe von jungen Menschen, die irgendwann alle miteinander schlafen“-Serien. 23 Jahre nach Erstausstrahlung ist sie immer noch unglaublich populär. Das hat sie neben den unvergesslichen Catchphrases („We were on a break!“) auch ihren Protagonisten zu verdanken – kann sich nicht jeder von uns mit Rachel, Ross, Monica, Chandler oder Joey identifizieren? Natürlich! Vorausgesetzt, „jeder“ ist heterosexuell und weiß. Wer das jedoch nicht ist, ist bei Friends im besten Fall drastisch unterrepräsentiert und im schlimmsten Fall eine Steilvorlage für billige Witze. Nicht nur, dass es in 236 Folgen gerade mal zwei relevante Charaktere of colour gibt – die Serie macht sich auch auf unterstem Niveau über Angehörige der LGBT-Community lustig. Ross‘ lesbische Ex-Frau sowie Chandlers transsexueller Vater* werden durchweg negativ porträtiert. Anstatt ihre Perspektive zu zeigen, wird permanent beschworen, wie sie durch ihr Coming Out vermeintlich das Leben ihrer Angehörigen zerstört haben (die egoistischen Schweine, wie können sie es wagen!). Grundsätzlich reproduziert Friends am laufenden Band billige Genderklischees, die beim Schauen regelmäßiges Fremdschämen hervorrufen.

* Der Verständlichkeit halber wird hier Chandlers transsexuelles Elternteil als sein Vater bezeichnet, ohne damit deadnaming zu meinen.

3. Airbnb

Wer knapp bei Kasse ist und seinen Urlaub dennoch nicht in einem 10-Bett-Hostel-Zimmer voller betrunkener Australier oder auf der Couch eines fremden Creeps verbringen möchte, greift in den meisten Fällen auf Airbnb zurück. Hier finden sich oft auch kurzfristig tolle Ferienwohnungen, die (je nach Anspruch) auch für den studentischen Geldbeutel geeignet sind. Doch wie so oft bei unverschämt günstigen Angeboten – man denke nur an Kleidung oder Fleisch –, gibt es auch hier eine Kehrseite. So ist Airbnb zunächst nicht das sympathische Start-Up „von nebenan“, als das es sich ausgibt, sondern eine millionenschwere Firma. Es sind auch inzwischen weniger arme Schlucker, die sich mit dem Vermieten von freien Zimmern ein Taschengeld dazuverdienen, sondern Leute mit Zweit- (Dritt-, Viert-…) Apartments, welche dem Wohnungsmarkt durch eine Airbnb-Vermietung vorenthalten werden. Die geniale Lage mitten im angesagtesten Viertel ist für den Besuchenden ein Traum; für die von der Gentrifizierung betroffenen Anwohner weniger. Städte wie Berlin, New York oder Barcelona haben bereits Gesetze gegen die Zweckentfremdung von Wohnraum erlassen. Jeder, der schon mal verzweifelt auf Wohnungssuche war, dürfte zustimmen, dass erst die Einheimischen und dann die Touristen eine Bleibe brauchen.

4. Mayim Bialik

Amy Farrah Fowler repräsentiert all die weiblichen Nerds, die sich nicht mehr mit Hermine Granger identifizieren können, seit diese die schönste Frau auf dem Planeten ist (verflucht seist du, Emma Watson!). Und das Beste: Nicht nur Amy hat einen Doktortitel in Neurowissenschaften, sondern auch Mayim Bialik, die sie verkörpert! Sie ist also nicht nur witzig, selbstbewusst und glamourös (siehe Foto), sondern auch noch smart – oder? Tatsächlich ist sie der lebende Beweis dafür, dass ein Ph.D. nicht zwingend für Intelligenz steht. Denn Bialik ist bekennende Impfgegnerin, was so ziemlich dem genauen Gegenteil von wissenschaftlicher Argumentation gleichkommt. Außerdem ist sie der Meinung, dass Opfer von Vergewaltigungen selbst schuld sind, wenn sie sich nicht „züchtig“ kleiden. Ew!

5. Amazon

Wir kennen und lieben Amazon als den virtuellen Raum der Wünsche, in dem es wirklich alles gibt. Gerade, wenn man nicht in einer größeren Stadt lebt, ist es mitunter die einzige Möglichkeit, unkompliziert an bestimmte Produkte zu kommen. Das liegt allerdings auch daran, dass Amazon den Einzelhandel systematisch verdrängt. Nicht nur das immense Angebot, sondern auch die Ausbeutung von Mitarbeitern macht Amazon nahezu konkurrenzlos. Besonders perfide äußert sich das beim Buchhandel. Die Menschen scheinen zu vergessen, dass in Deutschland nach wie vor die Buchpreisbindung gilt. Außerdem kann man in jeder Buchhandlung bestellen, was gerade nicht vorrätig ist, und es bereits am nächsten Tag abholen – man spart also weder Zeit noch Geld, wenn man Bücher bei Amazon ordert. Wessen Herz also für Buchläden schlägt, sollte sie auch unterstützen, indem er tatsächlich dort kauft, denn sonst sterben sie in nicht allzu ferner Zukunft aus. Ein weiterer Vorteil am Einzelhandel: Anders als Amazon tracken sie dein Kaufverhalten nicht und rennen dir auch nicht durch die halbe Stadt hinterher, während sie in voller Lautstärke „DAS KÖNNTE IHNEN AUCH GEFALLEN“ brüllen.

Lara

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Ein Gedanke zu “5 Dinge, die wir lieben (die leider gar nicht mal so cool sind)

  1. Esra sagt:

    Sehr süffisant und informativ geschrieben! Vielen Dank! Werde ich in meinem nächsten „Recently“ unbedingt verlinken! Leider liebe ich Avocado 😦 Nicht, weil es so „gesund“ ist, sondern weil es mir ganz außerordentlich gut schmeckt. Aber nach diesen Informationen muss ich meinen Avocado Konsum leider überdenken…
    lg
    Esra
    http://nachgesternistvormorgen.de/

    Gefällt 1 Person

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