Gin für Dummies – endlich hat das Leben wieder einen Gin!

(Foto: © Diana Warkentin)

Die Frage nach dem It-Getränk der Millenials und Hipster kann ohne zu Zögern mit Gin beantwortet werden. Ob als Tonic, Mule oder Fizz – der Gin-Hype schlägt hohe Wellen und ist mittlerweile in alle Altersklassen und Lebenslagen geflutet. Bald jede Woche scheint es einen neuen Gin zu geben und vor allem Anfänger haben bei dem fast grenzenlosen Angebot eher die Qual als die Wahl. Als Ginmädchen der Redaktion (und des Freundeskreises) werde ich meistens um Rat gefragt, wenn es darum geht, welcher Gin nun in den Einkaufswagen wandern soll. Dabei war es bei dem Wacholderschnaps und mir nicht mal Liebe auf den ersten Drink – früher fand ich, dass Gin Tonic „irgendwie nach Hecke“ schmeckt und Gin mir in Kombination mit Tonic Water einfach zu herb und bitter war.

Mit 18 weiß man aber in der Regel die Qualität eines Alkohols auch nicht zu schätzen, sondern kauft was immer im Supermarktregal ganz unten steht (Hauptsache, es knallt). Heute weiß ich, dass Gin sozusagen das „Parfüm unter den Spirituosen“ ist. Meine Freunde bezeichnen mich mittlerweile als Gin-Snob – durch das Probieren zahlreicher Gin-Sorten habe ich nicht nur meine Favoriten entdeckt, sondern schätze die verschiedenen Geschmacksnuancen, die ein Gin haben kann (wenn er eben nicht gerade aus dem untersten Regalfach gezogen wird). Bis zu 120 Botanicals können in einem Gin stecken – also Kräuter, Gewürze und andere pflanzliche Zutaten, die ihm einen individuellen und charakteristischen Geschmack verleihen. Wacholderbeeren müssen jedoch immer die Hauptgeschmackskomponente der Spirituose sein. Ein Dry Gin darf laut Spirituosenverordnung der EU maximal 0,1g Zucker pro Liter enthalten – was ihn zum idealen Trink-Gefährten macht (nicht wegen der Kalorien, sondern weil Zucker einen schlimmeren Kater macht).

Zur Herstellung

Gin wird gleich zweimal destilliert und nur ein solcher darf seine Flasche mit der Beschreibung distilled gin schmücken. Während in der ersten Brennung das Grunddestillat hergestellt wird, wird das Getränk in der zweiten Destillation aromatisiert und geschmacklich verfeinert. Der zu Beginn stehende Neutralalkohol wird meist aus Getreide gebrannt und anschließend durch diverse Botanicals verfeinert. Bei der zweiten Destillation wird der geschmacksneutrale und hochprozentige Alkohol mit Wasser verdünnt in einer Brennblase erhitzt. Die dadurch entstehenden alkoholischen Gase und Wasserdämpfe werden durch Rohre der Destille geleitet, in denen je nach Gin-Sorte verschiedene Botanicals in kleinen Sieben hängen. Der Dampf nimmt dann die Aromen der verwendeten Botanicals an. Im Anschluss werden die Gase und Dämpfe kondensiert und verflüssigen sich zu einem fertigen Destillat, welches dann mit Wasser auf Trinkstärke verdünnt wird.
In der Regel gilt: je teurer der Gin, desto hochwertiger. Meist werden wesentlich kleinere Chargen hergestellt und die Wacholderbeeren und Botanicals werden handverlesen. Gerade bei kleineren Herstellern wird beim Kauf die Handarbeit bezahlt.

Zu den Botanicals

Gin lässt sich in Bezug auf die verwendeten Botanicals in drei grobe Kategorien einteilen: Gins mit Zitrusaromen, florale Gins und diejenigen, bei denen mediterrane Kräuter den Geschmack beeinflussen. Dabei gibt es natürlich einige Ausreißer, denn es gibt zudem Gin-Sorten, bei denen der Geschmack durch Gewürze eine pfeffrige Note bekommt (z.B. der Opihr London Dry Gin) oder solche, die durch die Lagerung in Holzfässern nachreifen, wodurch der Gin einen Bernsteinton bekommt und geschmacklich weicher wird (z.B. der Stauffenberg Barrel Aged Dry Gin).

Zu Gin Tonic

Der Gin Tonic ist der Klassiker unter den Gin Getränken und den Longdrinks allgemein. Seine Geburtsstunde hatte er während des britischen Kolonialismus in Indien: Als Schutz gegen Malaria und andere tropische Krankheiten galt schon damals das chininhaltige Tonic Water als Heilmittel – um den bitteren Geschmack zu verbessern, wurde kurzerhand Gin in das Tonic gegossen. Auch bei der Wahl des Tonics gibt es mittlerweile eine Myriade an Möglichkeiten – die verschiedenen Sorten reichen von süßlich über floral bis hin zu bitter-herb. Je komplexer ein Gin in seinen Geschmacksnuancen ist, desto feinfühliger muss man bei der Tonic-Wahl sein. Woher weiß man nun, welcher Gin sich mit welchem Tonic verträgt? Grundsätzlich gilt die Devise: Gleich und gleich gesellt sich gern. Gute Bars empfehlen in ihrer Gin-Karte zu jedem Gin ein passendes Tonic. Falls nicht, könnt ihr gerne den Barkeeper eures Vertrauens fragen. Im Zweifel habe ich euch hier die Grundregeln zusammengefasst.

Wacholderlastige Gin-Sorten harmonieren gut mit einem klassisch herben Tonic, bei floralen Sorten wählt man besser ein milderes Tonic, das mit ähnlichen Aromen spielt (z.B. Elderflower Tonic Water von Fever Tree oder Thomas Henry). Für einen Gin mit Kräuteraromen sucht man sich ein Tonic, dessen Aromen weniger bitter und dafür würziger sind (z.B. das mediterrane Tonic von Fever Tree oder das Herbal Tonic von Fentiman’s). Dry Tonics und leichte Tonics eignen sich ideal für Gin-Sorten, die selbst sehr viel Geschmack mitbringen, da sie selbst im Geschmack eher zurückhaltend sind und die Nuancen des Gins nicht überdecken. Die Mischverhältnisse reichen von 1:1 bis 1:5. Ein Verhältnis von 1:1 hat wenige Anhänger, ideal ist 1:3 oder 1:4 – in Bars bekommt man meistens ein Verhältnis von 1:5 serviert.

 

Ginmädchen empfiehlt

Zu meinen liebsten Gin-Drinks gehört natürlich der Gin Tonic. Die zwei anderen Favoriten sind Gin Fizz (klassisch mit Zitronensaft oder in der Winter-Edition mit Blutorange) und natürlich der GINTONICTOGO-Drink: der Ginquiri.

Wie bereits angemerkt mag der unerfahrene Gin-Neuling erstmal überfordert sein, wenn er sich in der Spirituosenabteilung des Supermarkts seines Vertrauens wiederfindet. Den Gin (wie den Wein) nach Etikett beziehungsweise Flaschen-Design auszusuchen, ist auch nicht wirklich hilfreich – denn Gin-Hersteller aller Welt haben es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht, sich gegenseitig kreativ zu überbieten. Die Preise helfen da auch nicht weiter: Angefangen bei wenigen Euro kennt Gin fast keine Grenze, wobei in gut sortierten Supermärkten der Gin gerne mal für über 100 Euro pro Flasche verkauft wird. Um euch etwas unter die Arme zu greifen, präsentiere ich euch nachfolgend also eine preislich sortierte Auswahl der empfehlenswerten Gins.

Blackforest Needle Gin (Distilled Dry): Der Gin aus dem Schwarzwald kommt mit 40% Alkoholgehalt in einer 0,5l-Flasche daher. Für 13 Euro ist er mit seinem relativ milden und dennoch nuancenreichen Geschmack ideal für Anfänger, Fortgeschrittene und den kleinen Geldbeutel. Zitrusaromen mischen sich mit „hand picked botanicals“ aus dem Schwarzwald – wie etwa Fichtennadeln. Der Needle Gin eignet sich ideal für Mischgetränke aller Art.

GINSTR Stuttgart Dry Gin: Auf der Flasche prangt golden die Stuttgarter Skyline. Der von Hand abgefüllte Gin in der 0,5l-Flasche ist mit Botanicals aus Stuttgart und Cannstatter Mineralwasser verfeinert und kommt auf 44% Umdrehung. Für 29,90 Euro erwarten euch feinste Aromen wie Zitrus, Holunder- und Orangenblüte, Kardamom und ein Hauch von Rosmarin.

Lake Stuff Dry Gin: Für den Gin aus der Bodenseeregion wird echtes Bodensee-Quellwasser verwendet. Geschmacklich ist er fruchtig frisch durch Botanicals wie Limette, Orange und Rosenblüten – dennoch bleibt trotz 40% Alkoholgehalt durch das Bodenseewasser eine milde Note erhalten. Zu kaufen ist er für 29,90 Euro pro 0,5l-Flasche. Der Hersteller Peter Prime empfiehlt den Genuss eisgekühlt und pur oder mit Tonic.

The Duke Munich Dry Gin: Der Münchner Gin (45% vol.) wird aus rein biologischen Rohstoffen hergestellt. Unbehandelte Wacholderbeeren, Koriander, Zitronenschalen, Angelikawurzel, Ingwer, Lavendelblüten, Kubebenpfeffer und weitere Botanicals geben ihm seinen unverwechselbaren Geschmack. Unverwechselbar bayrisch machen ihn aber vor allem zwei Botanicals: Hopfenblüten und Malz. Sein Geschmack bewegt sich zwischen frisch würzig und floral zitrusartig, was am besten in Kombination mit einem Dry/Slim Tonic oder einem würzigen Tonic herauskommt.

Tanqueray Dry Gin: Einer meiner liebsten Gins und auch von Barkeepern 2016 in einer Umfrage zum No. 1 Gin gewählt. Er ist der Gin der Mad Men und ein absoluter Allrounder, der sich nicht nur in Mischgetränken und Cocktails gut macht, sondern pur ebenfalls überzeugt. Die Flaschenform ist einem Cocktailshaker nachempfunden und der Gin bringt es auf ganze 47,3% vol. (wobei es auch eine Variante mit 40% vol. gibt). Der Gin wird ganze vier Mal destilliert und bekommt seinen Geschmack durch Botanicals wie Koriandersamen, Angelikawurzel, Süßholz, Cassiarinde, Zimt, Zitronen- und Orangenschale. Der Klassiker ist für etwa 30 Euro als 1l-Flasche erhältlich.

Hendrick‘s Dry Gin: Der Schotte unterscheidet sich von anderen Gin-Sorten dadurch, dass das sonst charakteristische Wacholder-Aroma schwächer ausgeprägt ist. Holunderblüten, Angelikawurzel, Orangenschale, Kümmel, Kamille, Koriander, Kubebenpfeffer und Florentiner Schwertlilie bilden die Basis für die ungewöhnliche Infusion: Rosenblüten und Gurke. Im Gegensatz zu anderen Gin-Sorten wird der Hendrick’s Gin Tonic mit einer Gurkenscheibe serviert. Das Design erinnert an historische Apothekerflaschen, preislich liegt der Gin bei 32,99 Euro pro 0,7l-Flasche mit 44% vol.

Berlin Dry Gin: Seit 2013 führt das Sortiment von Berliner Brandstifter neben Vodka auch den Berlin Dry Gin. Die Hersteller werben damit, dass sie einen Gin produziert haben, der den Spirit Berlins in sich trägt: der Duft von Holunderblüten und Waldmeister, sorglos und sommerlich (und genau so schmeckt er auch)! Geschmacklich ist er einzigartig frisch und kann damit entweder pur auf Eis oder als sehr leichter Gin Tonic getrunken werden – der perfekte Gin für den Sommer. Preislich liegt der Gin bei 37,50 Euro pro 0,7l-Flasche mit 43,3% vol.

Tanqueray No. 10: Wie der Klassiker hat der Tanqueray No. 10 ebenfalls 47,3% vol. Allerdings wird die Nummer zehn in kleineren Batches hergestellt, die Wacholderbeeren werden handverlesen und der Gin ist damit wesentlich exklusiver und hochwertiger als der Tanqueray Dry Gin. Kein Wunder, dass er der einzige Gin in der prestigeträchtigen und weltweit umjubelten San Francisco Spirits Hall of Fame ist. Die 1l-Flasche kostet im Handel etwa 40 Euro.

Brooklyn Gin: Hand-geknackte Wacholderbeeren und frische und handgeschälte Zitrusschalen führen dazu, dass die ätherischen Öle der Zutaten besser zur Geltung kommen als bei der Verwendung von gefrorenen Zutaten. Hergestellt wird der Gin ausschließlich von Hand in Kupferfässern. Der Gin überzeugt durch seine Frische, Komplexität und den vollen Geschmack – besonders an heißen Sommertagen. Auch die zart-türkise mit Kupfer verzierte Flasche ist ein absoluter Augenschmaus. Definitiv ein absoluter Favorit, auch wenn er mit 40% vol. 46,99 Euro pro 0,7l-Flasche kostet.

Stauffenberg Aged Gin: Mit 47% vol. einer der stärksten unter den hier vorgestellten Gins. Wie bereits erwähnt wird dieser besondere Gin der Stauffenberg Destille nach der Produktion noch einige Wochen in Holzfässern gereift, wodurch der Gin die Farbe von Bernstein bekommt. Trotz des hohen Alkoholgehalts schmeckt der Aged Gin sehr weich und warm nach Trockenfrüchten und Vanille. Die 0,35l-Flasche kostet 59,90 Euro – damit und durch den sehr süßen Geschmack ist der Gin nichts für jeden Tag, sondern etwas für besondere Momente.

 

*Auch wenn in diesem Beitrag das Trinken und den Genuss von Alkohol gefördert wird, möchten wir trotzdem darauf hinweisen, dass der Verzehr immer nur in Maßen erfolgen sollte und ihr eure eigenen Grenzen kennen solltet. Außerdem: Don’t Drink and drive – stay safe!

 

Izzie

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